AB 30. März 2006
Das verlorene Gesicht wieder gefunden
Zeitgenössisches Glas

DAS VERLORENE GESICHT WIEDER GEFUNDEN

Wir sind alle Experten für Gesichter mit einer erstaunlichen Fähigkeit tausende fremde Gesichter zu unterscheiden und darin die unterschiedlichsten Gefühle zu erkennen. Im Zusammenleben der Menschen spielt das Gesicht eine herausgehobene Rolle. Und in der Kunst?

Nachdem die beiden ersten Ausstellungen der Alexander Tutsek-Stiftung mit ihren Länderschwerpunkten zeigten, dass Glas heute zu einer Kunstrichtung mit globalem Charakter geworden ist, stellt die dritte Ausstellung mit dem expliziten Thema Das verlorene Gesicht wieder gefunden das Gesicht als privilegierte Ausdrucksinstanz des Menschen in den Mittelpunkt. Durch das Gesicht werden wir zum Individuum, mit dem Gesicht drücken wir differenziert Gefühle aus, mit dem Gesicht kommunizieren wir. Es ist damit eine erlebbare Schnittstelle zwischen dem Innenleben und der Außenwelt. Diese Art Umschlagplatz macht sich die Kunst seit ihren uns bekannten Anfängen zu Nutze. Das Gesicht bildet in der Kunst eines der wichtigsten Elemente, um die Grenze zwischen Ausdruck und Seele, Oberfläche und Tiefe auszuloten.

Die Auswahl der 35 Exponate gibt einen Einblick in den Charakter der sich im Aufbau befindlichen Sammlung und bietet zugleich einen fundierten Überblick über die zentralen Positionen zeitgenössischer Arbeit mit Glas. Die gezeigten Arbeiten unterstreichen die Eigengesetzlichkeiten der Sprache von Skulptur und Glas gegenüber der Malerei. Das Material Glas wird von den vorgestellten Künstlerinnen und Künstler als Werkzeug eingesetzt, als Mittel zum Zweck und sie zeigen, dass Glas nicht – wie üblicherweise von diesem Material erwartet – gefällig sein muss.

INTERNATIONAL BEKANNTE KÜNSTLER DER STUDIOGLAS-SZENE

Nachdem das Gesicht im Studioglas (und nicht nur in dieser Kunstrichtung) lange ausgeblendet wurde, kehrte es über die Köpfe von Erwin Eisch (Deutschland) wieder zurück. In seiner Portrait-Serie wird der aus Glas geblasene unmittelbare plastische Kopf durch die Bemalung zum Bildträger für seine jeweils sehr spezifische, symbolische Aussage. Mark Bokesch-Parsons (England/USA) ist mit einem seiner eindrucksvollen Köpfe, der innere Geheimnisse und Träume widerspiegelt, vertreten. Die von Janusz Walentynowicz (USA/Dänemark) gestalteten morbiden Frauenskulpturen zeigen mit ihren entrückten Gesichtern eine ganz eigene Art der zeitgenössischen Skulptur. Sehr berührend zeigen die Köpfe von Sibylle Peretti (Deutschland) den verstörten Ausdruck geschädigter Kinder. Scott Chaseling (Australien) lässt auf seinen technisch innovativen Gefäßen Gesichter in Comic-Strip Manier Szenen des heutigen Lebens erzählen. Starke Emotionen ergründet Karen LaMonte (USA) in Glas erstarrten Spiegelbildern. Weitere Künstlerinnen und Künstler sind u. a.: A. Forkel, P. Martinuzzi, G. Ribka, Ch. Schmidt, E. Utriainen, A. Wolff (Deutschland), H. M. Adams, R. C. Palusky, C. Rainey (USA), J. Exnar, D. Zamechnikova (Tschechei), D. Reekie, A. Kinnaird (GB), R. Meitner (Niederlande), M. Odahashi (Japan), B. Vallien (Schweden).

Vorschaubild: Janusz Walentynowicz, Standing, 2000 © Janusz Walentynowicz

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