AB 07. November 2008
Glass.China
Zeitgenössisches Glas, Fotografien

Die Ausstellung Glass.China hat Pioniercharakter. Sie zeigt Skulpturen wichtiger chinesischer Künstlerinnen und Künstler im Zusammenhang mit Fotografien aus China von der deutschen Filmkünstlerin und Fotografin Ulrike Ottinger. Die Ausstellung fängt eine seltene und außergewöhnliche Epoche in der gesellschaftlichen sowie künstlerischen Entwicklung Chinas ein und ist die erste Ausstellung eines aufregenden künstlerischen Phänomens, das bis jetzt außerhalb Chinas so noch nicht zu sehen war.

NEU IN CHINA: ZEITGENÖSSISCHES GLAS
Glas wird in China seit dem Jahr 2000 als Medium in der zeitgenössischen Kunst verwendet. Eine sehr kurze Zeit im Vergleich zu den USA, Europa, Australien und Japan, wo Studioglas seit den sechziger Jahren immer mehr Verbreitung fand. Inzwischen ist, von der internationalen Kunst- und Glasszene unbemerkt, eine erste Generation Künstlerinnen und Künstler herangewachsen. Nach einigen Jahren des Suchens und Lernens, teilweise durch Nachahmen der westlichen Vorbilder geprägt, beginnen sie eine eigene Sprache zu entwickeln. Spannende Eigenentwicklungen nehmen zu, die anfängliche Gesichtslosigkeit verliert sich. Sie verbinden, verschmelzen das Neue des Westens mit ihren landeseigenen Traditionen und Fertigkeiten. Inhalt, Aussage und Symbolik stehen im Vordergrund; Schönheit oder die besondere Qualität des Materials Glas werden dagegen weniger hervorgehoben. Soziale Themen werden sensibel angesprochen. Die Arbeiten lassen zeitgenössische Energie spüren und werden häufig entsprechend der chinesischen Tradition historisch-kulturell verankert.
Die Künstler: Guan Donghai, He Mei Dan, Lee Carol, Lee Ringo, Li Fubiao, Li Zhenning, Sun Yi, Wang Qin, Wang Sunny, Xue Lu, Zhao Tingting, Zhuang Xiao Wei.

NEU IN DER STIFTUNG: FOTOGRAFIE

Mit der erstmaligen Präsentation von Fotoarbeiten zeigt die Stiftung auch öffentlich, dass sie zu Beginn des Jahres 2008 im Bereich Kunst ihren Stiftungszweck über Arbeiten mit dem Medium Glas hinaus erweitert hat. Ulrike Ottinger, eine der eigenwilligsten deutschen Filmemacherinnen, war seit 1984 wiederholt in China. Glas wird in Ulrike Ottingers ausgestellten Fotoarbeiten Hinter Glas zum einen als Mittel eingesetzt, um Abgrenzung und Distanz zwischen zwei Bereichen herzustellen: innen – außen, privat – öffentlich, ich – die anderen. Gleichzeitig verbindet es. Der Betrachter sieht und erlebt durch seine Transparenz eine nächste Ebene und wird unwillkürlich zum teilnehmenden Beobachter.

Vorschaubild: Donghai Guan, White Sword, 2008 © Donghai Guan

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