AB 15. Oktober 2013
Wo bist du? Where Are You?
Skulpturen von Erwin Eisch

Mit der Ausstellung Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch startet die
Alexander Tutsek-Stiftung in München zusätzlich zu ihren Themen- und
Länderausstellungen die neue Ausstellungsreihe MASTER | MEISTER. Hier werden herausragende Künstlerpersönlichkeiten vorgestellt, die in ihrer Arbeit Glas als Medium des künstlerischen Ausdrucks einsetzen. Den Auftakt bildet mit seinem facettenreichen Werk Erwin Eisch (geb. 1927), einer der Väter der Studioglasbewegung.

Das künstlerische Schaffen von Erwin Eisch wird durch die kritische
Auseinandersetzung mit seiner Umwelt bestimmt. Mit seiner ganz eigenen poetischen Denkweise sowie seinem die alltäglichen Dinge verfremdenden Humor stellt er Gewohntes in Frage und erzwingt veränderte Sichtweisen. Seine eindrucksvollen Serien von großen Köpfen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie gehen in ihrer Aussage über das Portrait hinaus und zeigen seine spezielle Sicht auf Weggefährten, berühmte Persönlichkeiten sowie in Selbstportraits auch auf ihn selbst. Aus Glas geblasen und so bemalt, dass das ursprüngliche Material nur zu erahnen ist, vermitteln sie eindrücklich die Kraft der innovativen skulpturalen und malerischen Sprache von Erwin Eisch.

Bereits in den 1950er Jahren experimentiert Erwin Eisch am heimischen Glasofen mit dem Material Glas. Als Sohn einer Glasmacherfamilie und Absolvent der Münchner Kunstakademie steht er der traditionellen Glasgestaltung kritisch gegenüber. So entstehen – im Gegensatz zu seinem Umfeld im Bayerischen Wald, das Gebrauchsglas herstellt – zweckentfremdete, nicht gebrauchsfähige Objekte, häufig mit einem Hauch leiser Ironie. Diese frühen Arbeiten, ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung, sind eher unbekannt, da sie nur selten gezeigt werden. Die freigestalteten Objekte zu unterschiedlichen Themen des Alltags, als „Provokation der Form“ tituliert, geben einen wichtigen Einblick in Eischs künstlerisches Denken. Er betont die plastischen Qualitäten des Materials Glas beim Schmelzen bzw. Erstarren und nutzt es nicht in der herkömmlichen Formensprache sondern als skulpturalen Träger seiner künstlerischen Mitteilung.

Die bewegte Studienzeit von Erwin Eisch und seiner späteren Frau Gretel an der Kunstakademie München ist der dritte Themenkomplex der Ausstellung. Noch als Student war Eisch 1957 Gründungsmitglied der Gruppe SPUR und gründete einige Jahre danach selbst die skandalumwitterte Gruppe RADAMA. In einer Galerie in Schwabing inszenierte diese Gruppe 1961 ein die Münchner Kunstwelt provozierendes Event: Die Gedächtnisausstellung über den fiktiven Maler Bolus Krim. Zeitungsartikel, Fotografien sowie Skulpturen und Malerei aus der Zeit lassen ein Projekt wieder aufleben, das damals die Presse in ganz Deutschland beschäftigte.

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